Wird die Lufttemperatur im Raum von +35 °C überschritten, so ist der Raum für die Zeit der Überschreitung ohne – technische Maßnahmen (z. B. Luftduschen, Wasserschleier), – organisatorische Maßnahmen (z. B. Entwärmungsphasen) oder- persönliche Schutzausrüstungen (z. B. Hitzeschutzkleidung), wie bei Hitzearbeit, nicht als Arbeitsraum geeignet.

Vorstehende Erkenntnis hat der beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales angesiedelte Ausschuss für Arbeitsstätten ASTA) ermittelt und ist nach § 7 der Arbeitsstättenverordnung im Gemeinsamen Ministerialblatt in den technischen Regeln für Arbeitsstätten „Raumtemperatur“ ASR A3.5 bekannt gemacht worden.

Der Arbeitgeber ist allerdings schon bei niedrigeren Temperaturen gefordert. Dies ergibt sich aus der Arbeitsstättenregel ASR A.3.5 auszugsweise wie folgt:

– Führt gemäß Arbeitsstättenregel ASR A3.5 die Sonneneinstrahlung durch Fenster, Oberlichter und Glaswände zu einer Erhöhung der Raumtemperatur über +26° C, so sind diese Bauteile mit geeigneten Sonnenschutzsystemen auszurüsten. Störende direkte Sonneneinstrahlung auf den Arbeitsplatz ist zu vermeiden. Anforderungen an einen wirksamen Blendschutz an Fenstern, Oberlichtern und Glaswänden enthält die ASR A3.4 „Beleuchtung“.

– Wenn die Außenlufttemperatur über +26°C beträgt und unter der Voraussetzung, dass geeignete Sonnenschutzmaßnahmen nach Punkt 4.3 ASR A.3.5 verwendet werden, sollen beim Überschreiten einer Lufttemperatur im Raum von +26°C zusätzliche Maßnahmen, z.B. nach Tabelle 4 zu Punkt 4.4 der ASR A3.5, ergriffen werden.

– In Einzelfällen – z.B.: schwere körperliche Arbeit, besonders schutzbedürftige Beschäftigte (z.B. Jugendliche, Ältere, Schwangere, stillende Mütter) – kann schon das Arbeiten bei über +26°C zu einer Gesundheitsgefährdung führen. In solchen Fällen ist über weitere Maßnahmen anhand einer angepassten Gefähr-dungsbeurteilung zu entscheiden.

– Bei Überschreitung der Lufttemperatur im Raum von +30°C müssen wirksame Maßnahmen gemäß Gefährdungsbeurteilung (sieheTabelle 4 zu Punkt 4.4 der ASR A3.5) ergriffen werden, welche die Beanspruchung der Beschäftigten reduzieren. Dabei gehen technische und organisatorische gegenüber personenbezogenen Maßnahmen vor.

Dem Arbeitnehmer kann bei Übersteigen der geregelten Temperaturwerte allerdings nicht empfohlen werden, sich selbst Hitzefrei zu geben.  Seitens des Arbeitgebers sind bei Vorliegen der Voraussetzungen zunächst entsprechende Maßnahmen durchzuführen. Wenn der Arbeitnehmer sich eigenmächtig vom Arbeitsplatz entfernt, kann dies u.U. Abmahnung oder sogar Kündigung zur Folge haben.

 Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Anwaltsauskunft Nr. 9/2019 v. 24.07.2019 und Juris das Rechtsportal

 

RH