OLG Oldenburg regelt Voraussetzungen für Volladoption Erwachsenen

Am 27.03.2016, Az. 4 UF 175/16, hat das OLG Oldenburg hat entschieden, dass bei der Volladoption eines Erwachsenen auch immer die Interessen der Eltern des zu Adoptierenden zu berücksichtigen sind.

 Was ist passiert?

 Von dem früheren Lebensgefährten ihrer Mutter wollte sich eine 21-jährige Oldenburgerin adoptieren lassen. Gemeinsam mit ihrer Mutter und deren Lebensgefährten hatte die junge Frau von ihrem 15. bis zu ihrem 19. Lebensjahr in einem Haushalt gelebt. Dann war die Beziehung der Mutter zu dem Mann auseinandergegangen. Laut § 1772 BGB, worauf sich der Lebensgefährte und die 21-Jährige beriefen, kann die Volladoption eines Erwachsenen dann ausgesprochen werden, wenn er bereits als Kind in der Familie des Adoptionswilligen gelebt hat und sich tatsächlich ein Eltern-Kind-Verhältnis entwickelt hat.

Das Amtsgericht hatte entschieden, dass im vorliegenden Fall eine Volladoption nicht in Frage kommt.

Was sagt das OLG Oldenburg dazu?

Die Entscheidung des Amtsgerichts wurde vom OLG Oldenburg hat bestätigt.

Zwar ist nach Auffassung des Oberlandesgerichts ein Eltern-Kind-Verhältnis feststellbar. Bei der Entscheidung über eine Volladoption seien aber auch immer die Interessen der Eltern des zu Adoptierenden zu berücksichtigen, weil ggfs. dann die verwandtschaftlichen Bande zu diesen vollständig durchschnitten werde. Vorliegend spreche die Interessenabwägung gegen eine Volladoption, weil die Mutter der jungen Frau von den Adoptionsabsichten emotional tief betroffen sei. Hinzu komme die Hilfsbedürftigkeit der Mutter. Diese sei körperlich und psychisch schwer erkrankt und würde möglicherweise in der Zukunft auch einmal Unterhalt von ihrer Tochter beanspruchen können. Die Interessen der Mutter an einem Fortbestand ihrer verwandtschaftlichen Beziehung zu ihrer Tochter würden in einem solchen Falle die Interessen der Tochter und des früheren Lebensgefährten an der Adoption überwiegen. Daher sei eine Volladoption nicht möglich. Die an sich mögliche „einfache“ Adoption war aber nicht beantragt. Bei der „einfachen Adoption bleibt  die alten Familienbande rechtlich bestehen (was natürlich besonders im Unterhaltsrecht und im Erbrecht eine Rolle spielen kann). Unklar blieb, warum hierauf verzichtet worden ist.

 

Quelle: Pressemitteilung des OLG Oldenburg Nr. 23/2017 v. 11.04.2017 und Juris dazu das Rechtsportal

 

RH

By | 2017-04-12T12:42:17+00:00 April 12th, 2017|Erbrecht, Familien- und Erbrecht, Familienrecht, Kanzlei|Kommentare deaktiviert für OLG Oldenburg regelt Voraussetzungen für Volladoption Erwachsenen

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