SG Dresden: Nach über 50 Jahren gelingt Kläger der Nachweis eines Arbeitsunfalles

Mit Urteil vom 29.05.2017 hat das SG Dresden zu Az. S 39 U 320/1 nach über 50 Jahren einen Arbeitsunfall, über den keine Unterlagen mehr auffindbar waren, anerkannt.

Was ist passiert?

Der Kläger ist heute 72 Jahre alt und arbeitete als Gleisbauhelfer bei einem Betrieb, der später von der Deutschen Reichsbahn übernommen wurde. Er beantragte 2011 die Anerkennung eines Arbeitsunfalles, den er 1966 erlitten hätte. Eine Kleinlokomotive sei bei Gleisbauarbeiten in Prenzlau entgleist. Man habe einer Winde versucht, die Lok aufzugleisen. Dabei sei die Winde ausgerutscht und habe den kleinen Finger der linken Hand des Klägers und das zugehörige Gelenk der linken Hand samt anschließendem Mittelhandknochen stark gequetscht. In Folge dessen kam es zur Amputation des kleinen Fingers. Die Feststellung eines Arbeitsunfalles lehnte die Unfallversicherung Bund und Bahn ab. Es sind keine Unterlagen mehr vorhanden, die das vom Kläger geschilderte Geschehen beweisen könnten. Dagegen wehrte der Kläger sich vor dem Sozialgericht.

Was sagt das SG Dresden dazu?

Das SG Dresden hat der Klage stattgegeben.

Die Eintragungen im Sozialversicherungsausweis des Klägers decken sich nach Auffassung des Sozialgerichts mit seinem Vortrag. Das Geschehen habe ein Zeuge im Jahr 1966 glaubwürdig schildern können. Dieser Zeuge war ein früherer Arbeitskollege des Klägers. Er habe ausführlich schriftlich dargelegt, dass er bei dem Unfall nur einen Meter neben dem Kläger gestanden habe. Er habe den Kläger anschließend mit seinem Motorrad ins Krankenhaus gebracht. Seine Schilderung decke sich mit der des Klägers.

Unterlagen hätten nicht mehr aufgefunden werden können. Bei einem Hochwasser sei das Unfalltagebuch beim Landesamt für Arbeitsschutz in Eberswalde vernichtet worden. 2016 habe ein sachverständiger Unfallchirurg bestätigt, dass der Gesundheitsschaden auf einen Arbeitsunfall zurückgeführt werden könne. Das Gericht sei folglich zu der Überzeugung gekommen, dass sich der Unfall wie vom Kläger geschildert zugetragen habe.

Somit sei dem Kläger die Möglichkeit eröffnet, Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung für den Verlust des kleinen Fingers der linken Hand zu verlangen.

Der Gerichtsbescheid ist noch nicht rechtskräftig.

 

Quelle: Pressemitteilung des SG Dresden Nr. 10/2017 v. 28.06.2017 und Juris das Rechtsportal

 

RH

By | 2017-06-29T10:38:50+00:00 Juni 29th, 2017|Arbeitsrecht, Kanzlei, Medizinrecht|Kommentare deaktiviert für SG Dresden: Nach über 50 Jahren gelingt Kläger der Nachweis eines Arbeitsunfalles

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