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Übernahme von Versicherungs-, Kammer- und Vereinsbeiträgen für angestellte Rechtsanwältin nach Ansicht des FG Münster als Arbeitslohn zu behandeln

Am 01.02.2018 hat das FG Münster zu Az. 1 K 2943/16 L entschieden, dass Lohnsteuer anfällt, wenn die Arbeitgeberin für eine angestellte Rechtsanwältin Beiträge zur Berufshaftpflichtversicherung, zur Rechtsanwaltskammer und zum Deutschen Anwaltsverein sowie die Umlage für das besondere elektronische Anwaltspostfach übernimmt.

 Was ist passiert?

Die klagende Rechtsanwaltssozietät übernahm für eine angestellte Rechtsanwältin Beiträge zur Berufshaftpflichtversicherung, zur Rechtsanwaltskammer und zum Deutschen Anwaltsverein sowie die Umlage für das besondere elektronische Anwaltspostfach, ohne diese dem Lohnsteuerabzug zu unterwerfen. Das Finanzamt erließ aufgrund einer Lohnsteueraußenprüfung diesbezüglich einen Lohnsteuerhaftungs- und -nachforderungsbescheid, weil es sich nach seiner Auffassung um Arbeitslohn handele. Die Klägerin trat dem mit der Begründung entgegen, dass die Kostenübernahme nicht im privaten, sondern im beruflichen Interesse der Arbeitnehmerin begründet gewesen sei.

Was sagt das FG Münster dazu?

Das FG Münster hat die Klage abgewiesen.

Die übernommenen Aufwendungen stellen nach Auffassung des Finanzgerichts Arbeitslohn dar, weil die Übernahme nicht im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse der Klägerin als Arbeitgeberin gelegen habe. Für die Ausübung des Anwaltsberufes sei eine Berufshaftpflichtversicherung unabdingbar und decke das persönliche Haftungsrisiko der Anwältin ab. Neben dem Schutz der Mandanten diene die Pflicht zum Abschluss einer solchen Versicherung auch der unabhängigen und eigenverantwortlichen Tätigkeit des Rechtsanwalts als Organ der Rechtspflege. Eine interessengerechte Mandantenvertretung sei nur durch diesen Versicherungsschutz möglich. Auch die Übernahme der Beiträge zur Rechtsanwaltskammer führe zu Arbeitslohn. Zwar habe die Anwaltszulassung der Arbeitnehmerin auch im betrieblichen Interesse der Klägerin gelegen. Jedoch sei sie auch zwingende Voraussetzung für die selbstständige Ausübung einer Anwaltstätigkeit und könne daher auch im Fall einer beruflichen Veränderung der Anwältin von Vorteil sein. Die Kosten für das für die angestellte Rechtsanwältin eingerichtete Postfach stünden in ihrem eigenen beruflichen Interesse, da die Einrichtung des besonderen elektronischen Anwaltspostfaches nicht für die Sozietät der Klägerin, sondern für jeden Rechtsanwalt einzeln erfolge. Auch die Übernahme der Beiträge zum Deutschen Anwaltsverein stelle Arbeitslohn dar. Unabhängig von ihrem Anstellungsverhältnis wirkten sich die Vorteile der Mitgliedschaft, insbesondere die berufliche Vernetzung sowie der vergünstigte Zugang zu Fortbildungsangeboten und zu Rabattaktionen für die Rechtsanwältin aus.

Das FG Münster hat die Revision zum BFH zugelassen.

  

Quelle: Newsletter des FG Münster v. 16.04.2018 und Juris das Rechtsportal

 

RH

By | 2018-04-17T09:35:48+00:00 April 17th, 2018|Arbeitsrecht, Kanzlei|0 Kommentare

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