Am 04.04.2017 hat das OLG Hamm zu Az. 26 U 88/16 einem Kind 250.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen, nachdem es nach einer – aufgrund ärztlicher Behandlungsfehler – verspätet durchgeführten Sectio mit schweren hypoxischen Hirnschäden geboren wurde und deswegen dauerhaft unter schweren Entwicklungsstörungen zu leiden hat.

 Was ist passiert?

Im Oktober 2007 wurde der heute neun Jahre alte Kläger im beklagten Krankenhaus in Paderborn unter geburtshilflicher Betreuung zweier mitverklagter Ärzte geboren. Die Ärzte entschlossen sich nach einem mehrstündigen Aufenthalt im Kreißsaal, in dem die Kindesmutter und das ungeborene Kind u.a. zeitweise durch eine Cardiotocographie (CTG) überwacht wurden, zu einer Sectio. Der Kläger wurde mit einer Nabelschnurumschlingung entbunden und zeigte in seiner weiteren Entwicklung die Folgen einer hypoxischen Hirnschädigung. Heute leidet er an einer allgemeinen Entwicklungsstörung, die seinen Intellekt, seine Sprache und seine motorischen Fähigkeiten dauerhaft einschränkt, außerdem an einer Epilepsie. Der Kläger, vertreten durch seine Eltern, nimmt die Beklagten auf Schadensersatz in Anspruch, insbesondere auf Zahlung eines Schmerzensgeldes.

Dem Kläger hatte das LG Paderborn 175.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen.

Was sagt das OLG Hamm dazu?

Das OLG Hamm hat das Schmerzensgeld auf 250.000 Euro festgesetzt.

Den beklagten Ärzten sind nach Auffassung des OLG Hamm bei der geburtshilflichen Betreuung der Mutter des Klägers mehrere Behandlungsfehler unterlaufen. Behandlungsfehlerhaft hätten sie es unterlassen, das Geburtsgeschehen mittels einer Dauer-CTG zu überwachen. Bereits das erste CTG sei als pathologisch zu bewerten gewesen und habe für eine Sectio gesprochen. Die Ärzte hätten ab dem zweiten pathologischen CTG für eine ständige ärztliche Präsenz mit einer halbstündigen Kontrolle Sorge tragen müssen. Die Indikation für die Sectio wäre dann früher gestellt worden. Zudem sei die dann später vorgenommene Sectio nicht als Not-Sectio ausgeführt worden, was wegen der bereits vorliegenden pathologischen CTG-Befunde aber geboten gewesen sei. Es handele sich vorliegend um grobe Behandlungsfehler, so dass die Beklagten in vollem Umfang für die beim Kläger aufgetretenen Schäden zu haften hätten. Insoweit komme dem Kläger eine Beweislastumkehr zugute.

Insbesondere die gravierenden gesundheitlichen Nachteile seien bei der Bemessung der Höhe des Schmerzensgeldes zu berücksichtigen, die der Kläger erlitten habe. In seiner Entwicklung werde der Kläger allenfalls die Stufe eines sieben- bis achtjährigen Kindes erreichen, nie allein leben können und später voraussichtlich auch feststellen, dass er gegenüber anderen Menschen ein geistiges Defizit habe, was nach Einschätzung des Sachverständigen zu einem besonderen Leidensdruck führe.

 

Quelle: Pressemitteilung des OLG Hamm v. 16.05.2017 und Juris das Rechtsportal

 

RH